FIfF-Kommunikation 1/2026 erschienen
Digitaler Humanismus für eine techno-öko-soziale Transformation der Weltgesellschaft war das Thema der diesjährigen FIfF-Konferenz, die wir im November 2025 gemeinsam mit The Institute for a Global Sustainable Information Society (GSIS) ausgerichtet haben.
Organisator Wolfgang Hofkirchner fasst die Grundfragen der Konferenz zusammen: „Welche Tätigkeiten und Resultate der Informatik sind unter den Bedingungen, dass die Möglichkeitsräume durch die fortschreitende Polykrise immer stärker eingeschränkt werden, noch verantwortbar? Welche Tätigkeiten und Resultate also unterstützen die Überwindung der Polykrise oder sind sogar unverzichtbar für den Aufbau einer sozial- und umweltverträglich angepassten technischen Infrastruktur weltweit? Welche Tätigkeiten und Resultate stehen dem im Weg oder befeuern dieKrise sogar? Und wie kann eine Förderung der sinnvollen Technologien erreicht werden, und wie kann denjenigen Technologien, die nicht zu einer Lösung beitragen können oder sogar schädlich für die transformativen Ziele sind, verwehrt werden, auf Kosten der sinnvollen Technologien gefördert zu werden?“ Der Schwerpunkt enthält neun Fachbeiträge, die die Vorträge und Workshops der Konferenz widerspiegeln. Die Beiträge sind in dieser Ausgabe der FIfF-Kommunikation enthalten.
Julia Neidhardt, Assistant Prof. Mag.a rer.nat. Dr.in techn., ist Forscherin am Forschungsbereich Data Science der Fakultät für Informatik an der TU Wien und ihre Keynote hieß Digitaler Humanismus. Sarah Spiekermann-Hoff, Univ.Prof. Dr.rer.pol., ist Professorin für Wirtschaftsinformatik und Gesellschaft und Leiterin des gleichnamigen Instituts an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU). Der Titel ihrer Keynote war Kathedralen der Künstlichen Intelligenz – Ökonomische und ethische Herausforderungen für wahren Fortschritt.
Vorträge und Workshops behandeln Aspekte des Kriegs, der Konzernmacht und der Kollektiven Kontrolle. In einer Diskussionsrunde zum Thema Cyberpeace trifft digitalen Humanismus wurden Ähnlichkeiten und Unterschiede der Konzepte herausgearbeitet und die Gestaltbarkeit der Digitalisierung diskutiert.
Mit großer Freude durften wir bei dieser Konferenz die Weizenbaum-Medaille an Professor Dr. Dietrich Meyer-Ebrecht verleihen, für seine friedenspolitischen und gesellschaftpolitischen Beiträge, die er in langjähriger Mitarbeit im FIfF geleistet hat. Britta Schinzel begründet in ihrer Laudatio die Preisverleihung. In seiner Erwiderung blickt anschließend Dietrich Meyer-Ebrecht auf die lange ereignisreiche und inspirierende Zeit mit dem FIfF zurück. Den abschließenden Höhepunkt am Sonntag bildete die Verleihung des Weizenbaum-Studienpreises an zwei Arbeiten, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln die Nachhaltigkeit in der Informationstechnik zum Inhalt hatten. Jeanette Kollien zeichneten wir für ihre Arbeit Digitale Nachhaltigkeit als Leitmotiv fürKommunikationsplattformenaus; Ting-Chun Liu erhielt den Preis für seine Arbeit Heat as Generative Image Making.
Weitere Beiträge sind in der Rubrik Forum zu finden. Markus Reinisch macht den Anfang mit seinem Beitrag KI als fragwürdiges Fortschrittsnarrativ in Krisenzeiten, in dem er KI-Heils- undFortschrittsversprechen angesichts diverser Krisenentwicklungen kritisch unter die Lupe nimmt. Er stellt dabei fest: „Die Menschen haben in Krisen Fragen: Zum Beispiel wollen sie wissen und transparent erklärt bekommen, wie der Fortschritt (auch mit KI-Anwendungen) gestaltet werden kann, welche Akteure der Gesellschaft daran mitwirken (können) und weshalb zu gewissen Zeiten sozialer Wandel auch ausbleibt. … Ein Narrativ, das die KI überhöht, das Disruptive anpreist, Spekulatives als Faktisches ausgibt und als Heilsbringerin dargestellt wird, kann diesen Erwartungen nicht gerecht werden.“ Heinz Bierbaum stellt in seinem Beitrag Militarisierung ist kein Ausweg aus der Krise, sondern ein gefährlicher Irrweg fest, dass die herrschende Politik es versäume, existenziellen Herausforderungen ernsthaft anzugehen und die Ressourcen darauf zu konzentrieren, dafür Lösungen zu finden. Sie setze stattdessen überwiegend auf Militarisierung. Hunderte Milliarden würden für Rüstung ausgegeben. Die Militarisierung durchdringe die gesamte Gesellschaft. Dies untermauert er anhand von Zahlen und Beispielen aus unterschiedlichen Bereichen gesellschaftlicher Wertschöpfung. Er fordert abschließend auf: „Es gilt, den Widerstand gegen die Militarisierung und für den Einsatz für den Frieden zu verstärken. Frieden ist dieGrundbedingung dafür, dass die existentiellen sozialen und ökologischen Herausforderungen wirklich angegangen werden.“
Den letzten Beitrag dieses Abschnitts verdanken wir Sophia Robyn Merchant: The Blind leading the Learning. In ihren Erfahrungsbericht über den WeAreDevelopers World Congress fließt auch ihre Enttäuschung über die Ergebnisse der KI-Entwicklung ein: „Sure, I had something working, I supposed. It was nothing like how I had wanted it, though. I read through the code and had very little idea of what was actually happening. Like Frankenstein I had a creature, and similarly, I had no ability to explain the ,spark of life’ that made the thing before me squirm around.“ Ein spannender Artikel, der auch zeigt, wie hier gerade ein Hype erzeugt und befeuert wird.
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