Negt, Kluge, Habermas und die politische Öffentlichkeit
Sebastian Sevignani – Akademischer Rat am Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Leiter einer Nachwuchsgruppe „(Medien-)Eigentum im digitalen Strukturwandel der Öffentlichkeit“ im Sonderforschungsbereich (TRR/SFB 294) zum „Strukturwandel des Eigentums“, von 2019 bis 2024 GSIS Co-Director – hat mit anderen Autoren eine Würdigung dieser drei kürzlich verstorbenen Intellektuellen geschrieben. Alle drei gingen von der Kritischen Theorie aus.
Innerhalb kurzer Zeit sind mit Oskar Negt, Jürgen Habermas und Alexander Kluge drei zentrale Vertreter der zweiten Generation der Kritischen Theorie verstorben. Die drei Intellektuellen prägten die theoretischen und politischen Debatten der Bundesrepublik über Jahrzehnte hinweg maßgeblich. Trotz durchaus unterschiedlicher Positionen verband sie die gemeinsame Leitfrage nach der Konstitution und Funktion von Öffentlichkeit: Habermas analysierte die normativen und institutionellen Voraussetzungen demokratischer Öffentlichkeit und verständigungsorientierter Kommunikation und intervenierte zahlreich und strittig in politische Diskurse auf der Suche nach dem „eigentümlich zwanglosen Zwang des besseren Arguments“; Negt entwickelte gemeinsam mit Kluge das Konzept einer proletarischen bzw. gegen-hegemonialen Öffentlichkeit, die die Erfahrungen derjenigen sichtbar machen sollte, die in der bürgerlichen Öffentlichkeit kaum Gehör finden. Kluge wiederum suchte in seinen literarischen, filmischen und tele-visuellen Arbeiten nach Formen, solche Erfahrungen zu erzählen und ihnen einen öffentlichen Ausdruck zu verleihen. So markieren ihre Werke nicht nur unterschiedliche Antworten auf die Herausforderungen moderner Gesellschaften, sondern auch verschiedene Perspektiven auf die Bedingungen demokratischer Öffentlichkeit selbst.
Read more here: theorieblog.de, 19. Juni 2026, Negt, Kluge, Habermas und die politische Öffentlichkeit von Heiner Heiland, Martin Seeliger und Sebastian Sevignani

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